A wie Auswilderung
Variante 1
Das Tier kann an seinen Fundort zurückDie einfachste und wünschenswerteste Variante wäre die Auswilderung am Fundort, wenn dieser intakt ist und einen geeigneten Lebensraum bietet. Die Tiere haben ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis, kennen ihr Revier und finden sich dort wieder zurecht. Sie kennen Durchschlüpfe durch Zäune, Umwege um Mauern und Böschungen zu überwinden, nahrungsreiche Plätze wie Komposthaufen oder Totholzhaufen und sind eventuell auch mit Gefahren vertraut. Erwachsenen Tieren und Jungigeln, die schon genügend Erfahrung in ihrem Revier sammeln konnten, bereitet man ein Quartier vor. Dies kann ein Holzhäuschen oder ein Karton sein, der mit reichlich Stroh gefüllt unter Büschen versteckt wird. Ein Futterhaus, das zumindest in den nahrungsarmen Zeiten bestückt wird, rundet das Angebot ab.
Variante 2
Das Tier benötigt einen neuen LebensraumDrohen dem Igel am Fundort unmittelbare Gefahren wie z.B. Baumaßnahmen oder auch nachts viel befahrene Straßen, muss ein neuer Lebensraum gesucht werden. Im Auswilderungsgelände sollte sowohl Nahrung als auch Deckung vorhanden sein. Es eignen sich für den Igel als Kulturfolger Plätze im durchgrünten Siedlungsrandbereich, in verkehrsberuhigten Wohngebieten (bei Wohngebieten immer auf Durchschlupfmöglichkeiten achten, damit die Reviere dem Aktionsradius des Igels angepasst sind), in ruhigen, naturnahen Gärten und Parks, in Bauernhöfen mit Nebengebäuden sowie Gärten, Bäumen, und Hecken.
Nicht am Fundort ausgewilderte Tiere müssen sich neu orientieren. Um den Igel langsam an seine neue Umgebung zu gewöhnen, wird ein Freigehege benötigt, in dem er ca. 10 bis 14 Tage bleibt. Ihm wird ein mit Stroh gefülltes Schlafhaus zur Verfügung gestellt und jeden Abend frisches Futter und Wasser bereitgestellt. Das übriggebliebene Futter vom Vortag sollte am Morgen entsorgt und der Igelkot im Gehege entfernt werden.
Hat der Igel nun eine ausreichende Zeit im Außengehege verbracht und ist der richtige Auswilderungszeitpunkt gekommen, wird das Gehege geöffnet, Haus und tägliche Fütterung beibehalten. Nach weiteren 3 – 4 Tagen kann das Gehege abgebaut werden, die Unterkunft bleibt solange stehen wie sie regelmäßig genutzt wird.
Da die Igel nicht mehr genügend Insektenfutter in der Natur finden, wäre es schön, wenn zumindest in nahrungsarmen Zeiten in einem Futterhaus zugefüttert wird. Eine Schale mit Wasser sollte immer bereitstehen.
Der richtige Auswilderungszeitpunkt
Der Igel ist ein Insektenfresser, d.h. Insekten sind seine Nahrungsgrundlage. Daher muss sichergestellt sein, dass genügend Insekten, auch nachts, unterwegs sind. Das ist erst bei durchschnittlich 10°C der Fall. Diese Temperatur sollte einige Nächte anhalten und danach auch nicht wieder stark absinken, sonst ziehen sich die Insekten auch wieder zurück und damit hat der Igel keine Nahrung. Der Auswilderungszeitpunkt muss regional entschieden werden. Vor Ende April/Anfang Mai ist an eine Auswilderung bei uns nicht zu denken. Ab dann sollte man die Wettervorhersagen aufmerksam verfolgen.
An dieser Stelle ein wichtiger Appell:
Bitte sprechen Sie den Zeitpunkt der Auswilderung mit ihrer Pflegestelle ab. (sl)