Frühling
Frühjahrsputz im Garten versus Winterschlafzeit
Warum sollten Gartenbesitzer lieber noch etwas abwarten?Die ersten Sonnenstrahlen locken uns Menschen ins Freie und viele wollen wieder mit der Gartenarbeit beginnen, den Garten aufräumen und für die kommende Vegetationsperiode vorbereiten.
Leider können unbedachte Gartenaktivitäten dramatische Auswirkungen haben, denn die Igel haben noch Winterschlafzeit. Dabei liegen sie oft eingegraben in Erdmulden, abgedeckt durch Laub, Reisig, geschützt durch überhängende Gräser oder Äste. Auch unter Gartenhäusern, Paletten, Holzstößen und unter dem Komposthaufen - überall könnte noch ein Igel tief und fest in seinem Winterschlafnest liegen und schlafen. Zerstören Sie diese Nester nicht, nur weil aus optischen Gründen das Laub "sauber“ weggeräumt werden soll. Der Schutz ist für den Igel lebensnotwendig, ohne Schutz besteht Lebensgefahr, denn nirgendwo findet er noch Material für die Anlage eines neuen Nestes, nicht zu reden von der Kraft, die er dafür aufbringen muss. Woher sollte er diese Reserven nach einem kräftezehrenden Winterschlaf nehmen?
Ja, die ersten Igel sind unterwegs. Das sind zum einen die Igel, die keine Substanz mehr haben und gerade noch die Kraft fanden, den anstrengenden Aufwachprozess zu bewältigen. Sie sind schon mit zu wenig Gewicht und/oder Überparasitierung in den Winterschlaf gegangen. Diese Tiere sind hilfsbedürftig!
Zum anderen sieht man noch relativ gut genährte Tiere. Bei ihnen ist der Grund für das verfrühte Aufwachen die Störung ihrer Winterschlafruhe oder Zerstörung ihrer Winterschlafnester.
In beiden Fällen finden die Tiere noch keine natürliche Nahrung, denn die gibt es erst ausreichend Ende April/Anfang Mai, wenn auch die Nachttemperaturen konstant über 8° bis 10°C liegen.
Dazu muss man wissen, dass viele Insekten den Winter gut geschützt unter der Streuschicht im Boden oder in hohlen Ästen oder Pflanzenstängeln den Winter verbringen. Wer jetzt schon Pflanzen zurückschneidet oder das Laub vom Boden entfernt, entsorgt die darin überwinternden Tiere gleich mit - darauf weisen die NaturFreunde Bayern ausdrücklich hin - und damit auch die Nahrung des Igels. Alte Blütenstauden und vertrocknete Gräser schätzt der Gärtner, weil sie das junge Grün vor Spätfrösten schützen.
Damit der Garten im Vorfrühling wirklich zum Lebensraum für Tiere wird, sollten Hobbygärtner einige Tipps berücksichtigen:
(entnommen einem Artikel von Karolin Stevelmans in Ruhr24)
- Laub entfernen:Das Laub zwischen Stängeln und unter Hecken liegen lassen - auch Marienkäfer, Spinnen und andere Insekten überwintern dort. Wer Laub unbedingt beiseite räumen möchte, deponiert es als kleine Haufen am Heckenfuß
- Rückschnitt von Stauden und Gräsern:Erst ab Mitte März schonend und individuell zurückschneiden, nicht großflächig
- Nistkästen reinigen:Hummelköniginnen, Florfliegen und Zitronenfalter überwintern im alten Nistmaterial- wer jetzt putzt vertreibt sie. Der richtige Zeitpunkt ist laut WWF der Spätsommer, Ende August
- Laubsauger und -bläser:Diese Geräte töten Insekten und Kleintiere - darauf weist die Umweltberatung Austria ausdrücklich hin. Der Rechen ist die schonendere Alternative.
- Kompost umsetzen:Erst nach dem Gartenerwachen und dann nur vorsichtig - Igel und Ringelnattern überwintern dort.
Wer zwei Komposthaufen im Garten hat, handelt clever - einen aktiv nutzen, den anderen als Winterquartier stehen lassen und im nächsten Jahr wechseln.
Denken Sie immer daran: Sauber aufgeräumte Gärten sind steril und tot. Ein unaufgeräumter Garten dagegen bietet bunten Lebensraum für Tiere - und das ist der beste Artenschutz, den Hobbygärtner leisten können. (frei nach WWF) (sl)