Gedanken zu unseren Sommerpatienten
Früher konnte man die Igelsaison zeitlich klar definieren. Sie dauerte in der Regel von Mitte September bis Mitte Mai, bis die letzten Winterschläfer wieder in der Freiheit waren.Hauptsaison war im Herbst, beginnend mit verwaisten Igelsäuglingen, gefolgt von sogenannten „Herbstigeln“ - Jungigel, die sich nicht ausreichend Gewicht für den Winterschlaf anfressen konnten. Nach Wintereinbruch kamen nur noch vereinzelt Tiere, entweder sehr kranke oder solche, deren Winterschlafnest zerstört wurde. Eine steigende Anzahl war wieder im zeitigen Frühjahr zu beobachten, wenn die Winterschlafreserven verbraucht waren und im Sommer erreichten uns nur wenige kranke bzw. verletzte Tiere.
Durch die Klimaverschiebung verschiebt sich auch die Aktivitätsphase der Igel. Nicht immer gibt es dann auch genügend Nahrung. Deshalb empfehlen mittlerweile viele Igelstationen ganzjährige Zufütterung (ausgenommen natürlich in der Winterschlafphase).
Hinzukommt der massive Rückgang der Insekten (Hauptnahrung der Igel), menschengemachte Gefahren wie Rasenroboter oder – trimmer und Verkleinerung des Lebensraumes durch massive Überbauung bzw. Bodenversiegelung.
Wieviel könnten kleine, leicht zu bewerkstelligende Hilfen bewirken?
Denken wir einmal über einen Käferkeller, ein Insektenhotel oder eine insektenfreundliche Blühwiese, Blumenstreifen oder nur eine Blumeninsel in unserem Garten nach. Noch einfacher sind Durchschlüpfe durch Zäune oder ein Asthaufen in einer geschützten Gartenecke anzulegen.
Denken Sie an Wasser! Wasser ist Leben. Aber die Tränken müssen so angelegt sein, dass kein Tier darin ertrinken kann.
Wenn viele Gartenbesitzer Kleines bewirken, ist schon ein Schritt getan, um dieses faszinierende Tier zu unterstützen.
Wir hatten diesen Sommer Parasitenigel, Unfalligel und Madenigel. Zwei von ihnen starben nur Stunden nach der Einlieferung, ein drittes Männchen musste vom Tierarzt erlöst werden.
Stellvertretend für die leichteren Fälle möchte ich Ihnen heute unseren Mett vorstellen.
Mett
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Sie lesen richtig. Es handelt sich nicht um einen Rechtschreibfehler. Bei der Namenswahl für ein junges Männchen entschied sich die Finderin für diesen Namen, weil sie Mettigel einfach putzig findet.
Mett wurde in der Mittagshitze Ende Juli hinter einem Blumenkübel gefunden. Er war dehydriert,ausgehungert und besonders auffällig war ein abstehendes Beinchen. Er wurde aufgenommen, von Außenparasiten befreit und erstversorgt. Erfreulich war, dass er gleich in der ersten Nacht allein fraß.
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Sorge bereitete natürlich sein Beinchen. Aber bald stellte sich heraus, dass es zwar geschwollen war, aber Mett durchaus in der Lage war, es zu belasten. Nachdem er auch gegen Innenparasitenbehandelt worden war, durfte er in ein Freigehege umziehen, damit er nicht zu lange von der Natur entfremdet wurde. Bald zeigte sich, daß er nachts wieder aktiv wurde, sein Beinchen trainierte und recht schnell gut an Gewicht zunahm. Sobald er wieder fit für die Freiheit war, besprachen wir mit der Finderin den Aussetzplatz.
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Weil Igel reviertreu sind, bevorzugt man beim Aussetzen den Fundort. Schnell stellte sich heraus, dass sein eigentliches Revier auch in den Sommermonaten und noch darüber hinaus von Bauarbeiten betroffen sein wird. Darum beschlossen wir Mett umzusiedeln. In einem igelfreundlichen Garten wurde sein Freigehege aufgestellt. Hier sollte er sich an die neue Umgebung gewöhnen. Die Dame und ihre junge Tochter, die ihn aufnahmen, mussten nicht überzeugt werden, sondern waren offen und interessiert an dieser neuen Erfahrung und freuten sich, dem kleinen Mann ein neues Zuhause in ihrem Garten zu geben. Sie garantierten Zufütterung, sie sprach auch mit den Nachbarn über Durchschlüpfe und allfällige Gefahren. So konnte nach angemessener Eingewöhnung das Freigehege geöffnet und Mett in die Freiheit entlassen werden. Essensstelle und Schlafhaus bleiben noch stehen, damit die Einfindung leichter fällt. Wenn er will kann er ja zum Essen kommen.