Igel zufüttern
Dieses Thema wird immer wieder kontrovers diskutiert. Aber fest steht, dass das Nahrungangebot für Igel zurückgeht. Dies liegt u.a. an den klimatischen Veränderungen, die sich negativ auf das Nahrungsangebot für die Igel auswirken. Aber auch an der Gestaltung und Eingrenzung des Lebensraumes durch den Menschen, durch etwa zunehmende Flächenversiegelungen in Städten, "aufgeräumten", wenig grünen Gärten, die dem Igel keine Versteckmöglichkeiten und dadurch auch keine ausreichenden Nahrungsmittel bieten. Das Nahrungsangebot kann man auf Dauer nur verbessern, wenn man das Umfeld ändert, d.h. je mehr naturnahe, artenreiche Gärten es gibt, umso mehr Insekten werden vorhanden sein.Das Zufüttern von Igeln kann zeitlich begrenzt eine wertvolle Hilfe sein, muss aber gezielt geschehen. Kranke Igel (tagaktiv, unsicherer Gang, apathisch, verletzt, oder offensichtlich zu klein für die Jahreszeit) benötigen zusätzlich fachliche Hilfe. Nahrung allein kann ihnen nicht helfen.
Zufüttern ist nur bei Mangel an natürlicher Nahrung und bei Jungtieren, die noch nicht geübt genug sind, um sich ausreichend ernähren zu können, sinnvoll:
in nahrungsarmen Zeiten
- vor dem Winterschlaf - um ein gutes Winterschlafgewicht zu erreichen
- nach dem Winterschlaf -um wieder zu Kräften zu kommen
- bei jahreszeitlich nicht angemessenen Temperaturen - zu kalt, zu nass, zu trocken
bei der Jungenaufzucht
- Unterstützung der Igelweibchen - um Gewichtsverlust durch kräftezehrende Aufzucht
wieder auszugleichen (ca. August bis November) - Zufütterung von Jungigeln - Igelkinder, die bereits lernen selbst Nahrung zu erbeuten, erhalten immer noch Muttermilch, um ein Nahrungsdefizit auszugleichen. Fehlt die Mutter aus irgendeinem Grund, verlassen sie auch tagsüber aus Hunger das Nest. Sind sie noch nicht geschwächt und man entdeckt sie rechtzeitig,kann man sie in gewohnter Umgebung mit Zufütterung aufziehen und erspart ihnen somit die Gefangenschaft.
Was sollten Sie füttern?
Igel sind Insektenfresser. Sie verspeisen hauptsächlich Käfer, die Larven von Schmetterlingen, Schnaken und Käfern, Hundert-und Tausendfüsser, Spinnen und selten Asseln. Ihr Gebiss und ihr Darm sind dieser Nahrung angepasst. Diese ist protein- und fettreich, aber kohlenhydratarm.Bei der Zufütterung muss deswegen immer berücksichtigt werden, getreidefreies Futter zu nehmen, sonst schadet es dem Igel.
Wählen Sie daher hochwertiges Katzennassfutter mit einem sehr hohen Fleischanteil (60%-80%). Reines Fleisch in Brocken oder Paté ist auch gut geeignet.
Z.B. die Marken Animonda Carny Kitten, Animonda vom Feinsten Mousse, Zoo Royal Mousse, Premiere Meat Menu Kitten, Claus Futter für Igel eignen sich.
Besteht die Möglichkeit zur Nassfütterung nicht, kann auf getreide- und zuckerfreies Katzentrockenfutter zurückgegriffen werden.
Spezielles Insektenfutter für Igel (Mischungen aus getrockneten Insekten), das die natürliche Nahrung der Igel am besten wiedergibt, wird zusätzlich gerne angenommen. Im Handel sind getrocknete Soldatenfliegenlarven, Mehlwürmer oder das Protein-Topping von Premiere relativ problemlos erhältlich.
Gut geeignetes Trocken- oder Insektenfutter bieten z.B. die Marken Josera Kitten, Royal Canin Mother and Baby Cat, JR Igelschmaus, Premiere Eiweiß Topping. Dabei ist zu beachten, dass Trocken- und Insektenfutter stets gemischt werden sollte, da jedes für sich alleine nicht zur vollwertigen Ernährung ausreicht. Ein ausgewachsener Igel benötigt eine durchschnittliche Futtermenge von ca. 200g pro Tag.
Sie erhalten viele der genannten Futtermarken bei Zoo Becker oder Fressnapf in Ansbach.
Weitere Beispiele und Anregungen für geeignetes Futter können Sie z.B. auf der Seite der Stachelnasen Zwickauer Land nachlesen.
Trinken
Zum Trinken gibt es täglich frisches Wasser, das in einer flachen Schale (keine tiefe, damit der Igel nicht ertrinkt) angeboten wird, am besten in der Mitte mit einem Stein beschwert (Kippgefahr).Man tut den Igeln einen großen Dienst, wenn man generell in seinem Garten ganzjährig Wasserschalen zum Trinken bereitstellt, da schnell ein Mangel an Trinkmöglichkeiten für die kleinen Tiere besteht.
Nicht geeignet für Igel:
Achten Sie darauf, dass das Futter kein Getreide, keinen Zucker, keine Sauce und kein Gelee enthält.Auch Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Rosinen, Nüsse, Sonnenblumenkerne oder Saaten sind für den Igel nicht geeignet. Entweder können sie energetisch nicht aufgeschlossen werden oder verursachen Verdauungsbeschwerden und Durchfälle. Igel vertragen keine Milch oder Milchprodukte, dies führt zu lebensbedrohlichen Durchfällen.
Vorsicht bei Futtermischungen: Bitte beachten, dass im Handel leider immer noch Futtermischungen als ausgewiesenes Igelfutter angeboten wird, das Inhaltsstoffe wie Getreide, Obst oder Nüsse beinhaltet, und deswegen überhaupt nicht für Igel geeignet ist und sie krank macht. Bitte überprüft die Inhaltsstoffe bei Igelfuttermischungen auf ihre Eignung!
Hygiene an der Futterstelle
Damit der Igel beim Fressen und das Fressen selbst geschützt sind, bietet sich das Aufstellen eines Futterhauses an. Bei regelmäßig besuchten Futterstellen sollte der Boden täglich gereinigt werden.Das Aufstellen auf Steinplatten (mit heißem Wasser reinigen) oder das Auslegen mit Zeitungspapier (entfernen) erleichtert das Sauberhalten. Futterreste müssen morgens entfernt werden und Näpfe für Futter und Wasser sind täglich heiß auszuspülen. Die Umgebung des Futterhauses sollte wegen der Ansteckungsgefahr vom Kot befreit werden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich auch das Futterhaus von Zeit zu Zeit zu versetzen.
Einfache und praktische Anleitungen zum Bau eines Futterhauses werden wir noch veröffentlichen, Sie finden aber auch gute Anleitungen und Beispiele beim Verein der Igelfreunde Stuttgart und Umgebung.
Auf https://www.igelverein.de/ finden Sie weiterführende Informationen zum ganzjährigen Zufüttern von Igeln (pdf), ebenso unter https://www.igelverein.de/unterbringung-und-ernaehrung.html ergänzend zur Ernährung und Unterbringung von Igeln.